Donnerstag, 29. August 2013

Tag 18: Grand Canyon

Kein Foto oder Video kann beschreiben, wie wir den Grand Canyon erlebt haben. Unsere Fahrerin und Guide Tracy hatte das morgens so angekündigt und sollte absolut Recht behalten. Wir hatten vorab online eine Tagestour gebucht, die auf Tripadvisor tausendfach hochgelobt wurde. Um halb zehn Uhr morgens machten wir uns zu siebt im Kleinbus mit Tracy auf den Weg: Marc aus England (der heftiges Cockney-Englisch sprach), Ashley aus Christchurch in Neuseeland (die fast gar nicht sprach), Reno und Katy aus Toronto (mit denen wir uns angeregt austauschten) und wir drei. Erster längerer Stopp war am Hoover Dam, einer mehr als 200 Meter hohen Staumauer, die in den 30er Jahren erbaut wurde und den Colorado River zum Lake Mead, dem größten Stausee der USA, aufstaut. Ein beeindruckendes Bauwerk!


Auf dem Weg zum "South Rim" des Grand Canyon machten wir außerdem in Seligman Zwischenstopp, einer Kleinstadt in Arizona, die sich "Geburtsstätte der Route 66" nennt und zur Pilgerstätte der Route-66-Fans geworden ist. Get your Kick on Route 66!


Es war schon fast 17 Uhr, als wir den Grand Canyon erreichten. Der South Rim gilt als weniger überlaufen als der bekanntere West Rim, dessen Vorteil es wohl ist, deutlich näher an Las Vegas zu liegen. Der South Rim ist aber tiefer (bis zu einer Meile) und - findet zumindest unser Guide Tracy - noch schöner und beeindruckender als der West Rim. Uns fehlt der Vergleich - aber vermutlich hat sie Recht. Es war einfach gewaltig. Der Blick über mehr als 70 Meilen in die Ferne, über eine Meile in die Tiefe, die zerklüfteten Abhänge, zwischen denen Nebelschwaden den Ausgang suchten - es war atemberaubend. Das Wetter war hauptsächlich naßkalt und neblig, aber die Sicht änderte sich im Fünf-MinutenTakt von totaler Nebelsuppe mit Wolken über und unter uns bis zu sonnigen, fast nebelfreien Momenten. Eigentlich war eine kurze Wanderung geplant, aber nach unserem Picknick am Rande des Canyons fing es so heftig an zu regnen, dass Tracy lieber weitere Aussichtspunkte ansteuerte. 


Es war das mit Abstand spektakulärste Naturerlebnis ever. Die Bilder können tatsächlich nicht einmal annähernd beschreiben, was wir gesehen haben. Es war unfassbar schön. Punkt. Hinfahren und erleben!!! 
Auf der Fahrt durch den Grand Canyon Nationalpark kreuzten mehrfach ausgewachsene Elche unseren Weg. Zeitweise war es so neblig, dass Tracy sich nur an den aufgemalten roten Linien auf der Straße unmittelbar vor ihr orientieren konnte. Um Mitternacht waren wir zurück in Las Vegas, gerade rechtzeitig, um vor dem "Mirage", dem Riesenhotel gegenüber von unserem, den künstlichen Vulkanausbruch zu erleben. Was für ein Abschluss dieses unvergleichlichen Tages!


Tag 17: Las Vegas

Ein Tag zu Erholung und zum Faulenzen. Vormittags wollten wir eigentlich im Adventure Dome Rollercoaster fahren, aber die Hitze Las Vegas' setzte Charlotte enorm zu, so dass wir das Unternehmen auf halber Strecke abbrechen mussten. Am Nachmittag erkundeten wir die Fashion Show Mall, während Dirk einen Streifzug durch die umliegenden Casinos machten. Abends waren wir in unserem venezianischen Hotel unterwegs. Dort reihen sich sämtliche Edel-Ausstatter entlang des künstlichen Kanals auf ("Grand Canal Shops"), und natürlich gibt es ohne Ende Restaurants und eine "Fressmeile". Im Casino des Venetian wollten wir endlich mal zocken, fanden das aber so doof, dass wir nach kürzester Zeit (genauer gesagt nach zwei verzockten Dollars...) schon wieder damit aufhörten, zumal Kinder im Casino nicht zugelassen sind. Was etwas merkwürdig ist, da sie, wie alle anderen Gäste auch, auf fast jedem Weg von A nach B innerhalb des Hotels zwangsläufig durch das Casino hindurch müssen. Dort sitzen zu jeder Tages- und Nachtzeit Spieler, darunter auffällig viele offenbar recht gut situierte ältere Damen. In keinem Casino haben wir Uhren gesehen - die Gambler sollen die Zeit vergessen...
Wir hatten Glück mit der Lage unserer Suite, denn aufgrund der Weitläufigkeit des riesigen Komplexes kann man gerne schon mal 20 Minuten unterwegs sein, ehe man sein Zimmer erreicht hat. Wir brauchten zum Glück nur etwa 4 Minuten von der Eingangshalle bis ins Zimmer. Das in Deutschland noch gar nicht so verbreitete "Valet-Parking" ist in Las Vegas gang und gäbe: Auf der 9-spurigen (!) Hotel-Auffahrt drückt man einem freundlichen Mittarbeiter die Autoschlüssel in die Hand, und er parkt den Wagen in der riesigen Hotelgarage. Man erhält einen Zettel mit Barcode und jederzeit innerhalb weniger Minuten seinen Wagen wieder. Kostet nix, außer Trinkgeld.


Montag, 26. August 2013

Tag 17, der eigentlich Tag 16 war

Fast hätte ich unseren kleinen Umweg gestern auf dem Weg von Tonopah nach Las Vegas vergessen: Wir haben das Tal des Todes überlebt. Hurra! Und es war gar nicht so schwierig. Denn unsere 108 Grad Fahrenheit (42,2 Grad Celsius) gestern im Death Valley nehmen sich gegenüber 134 Grad Fahrenheit (56,7 Grad Celsius) geradezu winterlich aus. So heiß war es im Death Valley 1913 - bis heute die höchste jemals auf der Erde gemessene Temperatur in der Luft. 


Auf dem Boden werden es gerne mal 90 Grad (Celsius!) und mehr, weshalb man gelegentlich Touristen sieht, die sich aus Spaß auf dem Boden ein Spiegelei braten. Jüngst haben aber die Ranger uns Touris gebeten, diesen Unfug zu lassen - sie waren es leid, liegengebliebene Eierschalen zu entsorgen und sauber machen zu müssen. Kann man verstehen. Aber die Ranger sind es selbst Schuld:

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/hohe-temperaturen-im-death-valley-touristen-braten-spiegeleier-auf-dem-boden/8470530.htm

Im Tal des Todes findet man auch den tiefsten Punkte der Erde unterhalb des Meeresspiegels, den man trockenen Fußes betreten kann - Badwater. Minus 86 Meter ist dieser ausgetrocknete Rest eines urzeitlichen Sees tief. 

Im Death Valley wollten wir uns Temperaturmäßig eigentlich auf Las Vegas vorbereiten. Dort waren in den letzten Wochen beständig zwischen 39 und 43 Grad Celsius gemessen worden. Erstaunlicherweise ist es heute nur 29 Grad warm, und schwarze Regenwolken hängen über der Stadt. Die müssen wech - für morgen planen wir unseren Tagesausflug in den Grand Canyon. Zuvor aber noch ein paar Eindrücke aus der Welthauptstadt der Show und des Glücksspiels:


Dirk verzockt die Reste unserer Urlaubskasse. Immerhin darf er dabei rauchen. Überall in den USA ist das Rauchen verboten, inzwischen auch in Parks und auf Restaurant-Terrassen - nur in den Casinos von Las Vegas darf gequarzt werden, was die Lunge noch hergibt. Hauptsache, der Raucher lässt seine Kohle da.


Der Markusplatz des Venetian ("St. Mark's Square"), ein künstlich geschaffener, aber sehr atmosphärischer Platz, perfekt klimatisiert unter künstlichem Himmel. Es hat nicht künstlich geregnet - die "Pflastersteine" sind offenbar immer so glänzend gewienert. Eigentlich fehlen nur noch künstliche Tauben, die uns Kunst-Kot auf die Schulter sch... :-), dann wäre die Illusion perfekt. 


Die Halle des Hotels mit Wasserfall.


Dieser Himmel ist echt und draußen - ehrlich!

Sonntag, 25. August 2013

Tag 16: Totales Kontrastprogramm: Auf Tonopahs Einöde folgt "Viva Las Vegas"!

Grober Fehler. Ausgerechnet am Samstag Abend beginnt unser Abenteuer Las Vegas. Auf dem "Strip", also dem Las-Vegas-Boulevard, schieben sich Menschenmassen von Casino zu Casino, von Shopping Mall zu Shopping Mall, von Show zu Show. Und wir Las-Vegas-Anfänger mittendrin. 
Schrill oder schrecklich? Witzig oder peinlich? Aufregend oder beängstigend? Nur laut oder schon lärmend? Nach dem ersten von vier Abenden kann ich mir noch keine Meinung über Las Vegas bilden. Auf jeden Fall ist Las Vegas anstrengend. Aber auch irgendwie sehr aufregend. Die quietschbunten Casinos reizen uns überhaupt nicht, obwohl wir gestern schon durch vier durchgelatscht sind. Die riesigen Hotel-Casinos sehen irgendwie alle gleich aus. Und vor allem gibt's nirgends ein "Exit"-Schild. Auf alles wird aufmerksam hingewiesen - Cashier, Restaurants, Bar, Restrooms, Concierge... - bloß auf den Ausgang nicht, damit man so lange wie möglich im Casino bleibt. Wir haben uns tapfer gegen die Reizüberflutung im Venetian, im Caesar's, im Bellagio und im Flamingo gewehrt und nach längerer Suche immer auch den Ausgang gefunden (man muss sich Richtung Hotellobby orientieren...). Entschädigt wurden wir durch die wunderschönen Wasserspiele vor dem Bellagio-Hotel! 
Sehr witzig sind natürlich die Nachbauten europäischer Hochkultur von griechischen Tempeln, über römischen Foren und Pariser Sehenwürdigkeiten bis hin zu venezianischen Kanälen. Die Shopping-Mall entlang des "Canale Grande" in unserem Hotel "The Venetian" ist wirklich großartig. Unter dem künstlichen Himmel schippern tatsächlich singende Gondoliere des Wegs, und der Campanile sieht seinem Vorbild auf dem echten Markusplatz verblüffend ähnlich. 
Unsere Suite ist riesig groß und perfekt eingerichtet. Allerdings ist das nichts besonderes, denn hier sind alle 3000 "Zimmer" so. Die Leute sollen sich wohl fühlen und bei Laune gehalten werden, damit sie möglichst viel Geld in den Casions lassen. Daher sind die Hotels in Las Vegas auch alle vergleichsweise günstig. Für das, was wir hier bezahlen, bekämen wir in München oder Hamburg deutlich weniger "Hotel". Das Geld wird hier halt in den Casions verdient. 
Unsere Suite hat zwei Ebenen - Schlaf- und Wohnbereich - sowie ein riesiges Badezimmer. Drei Fernseher (einer im Bad) sind natürlich Unfug, aber durchaus erträglich :-). Wir blicken auf den Pool. das benachbarte Palazzo-Hotels und  über die Stadt bis zu den Bergen. Hier lässt es sich aushalten! 


Samstag, 24. August 2013

Tag 15: In the middle of nowhere

Tonopah, NV. Ein Kaff in the middle of nowhere. 6 Motels, 7 Tanken, Post-Office und Fire Department, und das alles an EINER Straße. Genauer gesagt: an DER Straße, Main Street - viel mehr gibt es hier nämlich nicht. Oder doch: eine große Kreuzung des Highway 6 mit dem Highway 95. Und der führt geradewegs nach Las Vegas. In 220 Meilen. Früher war dieses Städtchen eine Silber-Hochburg, doch seit die Silberminen nichts mehr hergeben, dümpelt der Ort so vor sich hin. Eine Art "Geisterstadt Bodie", nur noch nicht restlos ausgestorben. 
"Tonopah" ist shoshonisch und bedeutet soviel wie "etwas Wasser und ein paar Bäume". Sehr treffend. Noch passender wäre nur gewesen "etwas Langeweile und ein paar Motels". Aber halt: Ich tue dem Ort Unrecht: Hier gibt es ein Hotel, das alleine einen Ausflug wert wäre. Das "Mizpah"-Hotel ist ein Hotel aus der Gründerzeit, es wirkt wie aus der Zeit gefallen. 
Das Hotel wurde 1907 erbaut, kurz nach der Gründung des Ortes. Nach einer wechselvollen Geschichte war es längere Zeit geschlossen. Seine jetzigen Besitzer haben das Mizpah 2011 vor dem Verfall gerettet und liebevoll renoviert. Vor allem mit viel Liebe zum Detail. Holzvertäfelungen, Seidentapeten, ein restaurierter Fahrstuhl, Antiquitäten, ein altes verstimmtes Klavier, die ursprüngliche Rezeption als Ausstellungsstück in der Lobby... Es ist einfach großartig. Selten haben wir bei Tripadvisor so begeisterte Rezensionen gelesen - völlig zu Recht. 
"Mizpah" ist ein biblischer Begriff, den die Gattin des erstens Hotelbesitzers als Namen ausgewählt hatte. Es bedeutet so viel wie "Menschen, die sich nahe stehen, sehen sich irgendwann wieder." Und das Beste: Hier spukt es. Der Geist einer "Lady in Red" wandelt nachts über die Hotelflure und hinterlässt hier und da eine Perle auf einem Kopfkissen. Die Lady, eine Kurtisane, ist 1920 im 5. Stock des Hotels, in dem sie ihre Freier empfing, von einem eifersüchtigen Liebhaber ermordet worden. Wir sind gespannt, ob wir sie heute Nacht hören. Aber erst, wenn wir den Sternenhimmel bewundert haben. Er ist angeblich der schönste der ganzen USA. Da hier weit und breit keine grellen Neon-Schilder, keine erleuchteten Hochhäuser und auch keine Laser-Reklamen den Nachthimmel stören, kein Smog die Luft belastet und nichts die Sicht behindert, kann man in Tonopah tausendfach mehr Sterne am Himmel sehen, als anderswo. "The brightest lights around are what you see in the sky", heißt es im Werbeprospekt. Das werden wir gleich überprüfen! Zuvor ein paar Eindrücke dieses fabelhaften Hotels in Tonopah, NV.


Freitag, 23. August 2013

Tag 14: Mono-Lake, Geisterstadt Bodie, Yosemite Nationalpark, June Lake

Heute haben wir Kaliforniens dritte Seite entdeckt: Außer traumhaft schönen Stränden und Buchten und endloser Steppe hat dieses Land landschaftlich noch mehr zu bieten: ein Berge-Panorama, das in den Alpen nicht schöner sein könnte. Aber der Reihe nach: Von Bishop ging es die CA 395 weiter Richtung Norden, vorbei am salzigen Mono-Lake mit seinem Tuff-Gestein in die Geisterstadt Bodie, direkt an der Grenze zu Nevada. Die Stadt war während des Goldrauschs gegründet worden und hatte in den 1870er Jahren bis zu 10.000 Einwohner. Wikipedia schreibt: "In Bodie gab es während dieser Blütezeit der Stadt 65 Saloons entlang der Hauptstraße, ein Rotlichtviertel mit zahlreichen Bordellen, ein Chinesenviertel mit einem taoitischen Tempel und einer Opiumhöhle, eine Eisenbahn, mehrere Zeitungen, sieben Brauereien und Kirchen verschiedener Religionen. Aber auch das Verbrechen hielt Einzug. Morde, Überfälle und Postkutschenraub waren beinahe an der Tagesordnung. Die Goldgräberstadt Bodie genoss einen schlechten Ruf und galt in dieser Zeit als eine der wildesten und gesetzlosesten Städte des Westens." Nach dem Ende des Goldrauschs begann der Niedergang. Heute ist die verlassene Stadt Teil eines State Parks und kann besichtigt werden. 
Der Weg dorthin führt über eine etwa drei Meilen lange unbefestigte Schotterpiste. Wir rumpelten in die  Geisterstadt kaum komfortabler als seinerzeit die Postkutsche... In Bodie sehen manche Häuser tatsächlich so aus, als seien die Bewohner gerade erst gegangen. Unter anderem ein Saloon, eine Kirche, die Schule und der Laden sind gut erhalten. Beim Wandern durch die Straßen und neugierigen Blicken durch die halbblinden Scheiben bekommt man einen kleinen Eindruck davon, wie die Menschen gelebt haben. Wir fanden den Ausflug absolut spektakulär!









Nachdem wir zurück auf den Highway gerumpelt waren, machten wir einen Abstecher in den Yosemite Nationalpark. Aber da dessen Attraktionen mehr auf der anderen, der westlichen Seite liegen und wir noch den Weg zu unserer nächsten Unterkunft vor uns hatten, blieb es bei einem Abstecher. Eigentlich unverzeihlich, gilt doch Yosemite als absolutes Muss, aber wir müssen ja auch noch Ziele für die nächsten Jahre haben...:-) Der östliche Eingang des Yosemite macht auf jeden Fall Lust auf mehr...



Seit dem Nachmittag sind wir nun stolze Einwohner einer Lodge in den Bergen rund um den June Lake. Es ist wunderschön hier - Alpen-Panorama, Spa und Rehe vor der Hütte inklusive. Erholung pur!


Morgen geht es Richtung Nevada und nach einer weiteren Übernachtung nach Las Vegas. Gute Nacht aus June Lake!